Schlagartig ist Alles anders   
Leben nach einem Schlaganfall 
 
 
 

Herzlich Willkommen auf dieser Internetseite!

Ein Schlaganfall kann die Lebensumstände Betroffener und ihrer Mitbetroffenen (Angehörige, Freundinnen und Freunde, Bekannte, Kolleginnen und Kollegen etc.) von jetzt auf gleich nachhaltig verändern. 

Diese Internetseite liefert Ihnen die wichtigsten Informationen auf einen Blick - teilweise mit regionalem Bezug zur Stadt Bonn und deren Umgebung. Zudem möchte ich Ihnen mit den Inhalten auch Mut machen. Zwar ist nach einem Schlaganfall Vieles oder Alles anders, aber das Leben muss nicht zwangsläufig schlechter sein.


Inhalte

Auf dieser Startseite erfolgt nach der Vorstellung meiner Person eine Beschreibung des Schlaganfalls (Ursachen, Symptome).

Unter Alltagsbewältigung finden Sie sowohl Beschreibungen der wichtigsten Heilmittel (Ergotherapie, Logopädie bzw. Sprachtherapie, Physiotherapie) als auch eine Vorstellung nützlicher Hilfsmittel sowie Hinweise, wie man diese Heil- und Hilfsmittel erhält. Auch stelle ich Ihnen auf dieser Seite einige gesundheitsfördernde Gedanken und Maßnahmen vor, die mir sehr geholfen haben und immer noch gut tun! Darüber hinaus erhalten Sie Grundinformationen und entsprechende Links zu den Themen "Rehabilitation", „Schwerbehindertenausweis“, „Pflegegrade“, „Rückkehr in das Berufsleben“, „“Fahrerlaubnis“ und „Urlaub“.

Auf der Seite Termine & Aktuelles sind  neurologische Selbsthilfegruppen bzw. Gesprächsangebote in Bonn und Umgebung aufgelistet. Auch finden Sie dort aktuelle Veranstaltungen in Bonn und Umgebung, die für Sie von Interesse sein könnten.

Die Seite Links & Literatur enthält weitere Links. Eine Literaturliste wird demnächst folgen. Monatlich werde ich auf dieser Seite ein Buch etwas ausführlicher vorstellen sowie Ihnen Informationen aus der medizinischen Fachpresse geben.

Auf der Seite Impressum finden Sie unter anderem Hinweise zum Datenschutz.


 

Verantwortliche für diese Internetseite


Mein Name ist Claudia Niederer.

Seit 2016 feiere ich zweimal im Jahr Geburtstag: Im Oktober (seit 57 Jahren) und im Juni.
Am 4. Juni 2016 hat eine akute Durchblutungsstörung in meinem Gehirn dazu geführt, dass eine Körperhälfte gelähmt war und ich nicht mehr sprechen konnte. Ich zeigte also die typischen Symptome eines Schlaganfalls.  Inzwischen kann ich wieder mit Gehstock laufen, das Sprechen ist jedoch in manchen Situationen immer noch schwierig.
Meinen Beruf als Ärztin kann ich aus verschiedenen Gründen nicht mehr ausüben. Aber das (sozial)medizinische Wissen sowie das Wissen, das ich mir vor dem Medizinstudium als Ergotherapeutin bei der Behandlung von Schlaganfallpatienten erworben habe, kann ich jetzt in vielerlei Hinsicht gut nutzen!
Die Aphasie-Selbsthilfegruppe Bonn habe ich 3 Jahre lang bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie regelmäßig besucht und auch zeitweise geleitet. Seit Sommer 2018 bis Ende 2020 habe ich zudem die Jungaphasiker-Gruppe Bonn kommissarisch geleitet. Durch die Teilnahme an den Selbsthilfegruppen habe ich viel  von den Teilnehmer*innen über den Umgang mit meiner Behinderung gelernt. In der Gruppe fühlte ich mich so wohl, dass ich dort viel weniger Probleme beim Sprechen hatte. Denn die anderen Betroffenen wissen nur zu gut, wie schwierig Sprechen sein kann!

Rückblickend betrachtet waren die zurückliegenden 5 Jahre zeitweise sehr anstrengend aber auch sehr bereichernd. In meinem 2. Leben habe ich viele liebe Menschen kennengelernt, die ich sonst nicht kennengelernt hätte, und neue Hobbys entdeckt (Malen, Gelenkyoga, QiGong). Auch hatte ich das große Glück, meinen Mann immer an meiner Seite zu haben. Meine Freundinnen und Freunde haben mir ebenfalls die Treue gehalten und den Kontakt zu mir gesucht, obwohl es im ersten Jahr wegen meiner Sprachbehinderung sehr anstrengend gewesen sein muss, mir zuzuhören.

Auf dieser Internetseite habe ich all die Informationen zusammengetragen, die mir geholfen haben oder mit denen ich die Fragen der Teilnehmer*innen aus den Selbsthilfegruppen beantworten konnte. Ich hoffe sehr, dass diese Informationen auch für Sie nützlich sind. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir uns darüber austauschen würden. Für Anregungen und Tipps zur Verbesserung meiner Internetseite wäre ich sehr dankbar.  Gerne können Sie mir direkt eine e-Mail schreiben (info@schlaganfall-bonn.de) oder das folgende Kontaktformular nutzen:


Es grüßt Sie aus Bonn

Claudia Niederer

 


Schlaganfall

In Büchern und im Internet findet man zahlreiche Informationen über Ursachen und Symptome des Schlaganfalls (siehe Link-Liste am Ende dieser Seite). Im Folgenden habe ich einige aus meiner Sicht wesentliche Aspekte zusammengefasst. Besonderes Augenmerk möchte ich dabei auf die Sprachstörung nach einem Schlaganfall (Aphasie) sowie die neuropsychologischen Folgen eines Schlaganfalls lenken, weil sie besondere Auswirkungen auf den Alltag und die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft haben.


Ursachen

Beim Schlaganfall (Apoplex cerebri) handelt es sich um eine mit Sauerstoffmangel einhergehende Kreislaufstörung einer umschriebenen Hirnregion. Als Ursachen kommen Verengungen bzw. Verschlüsse (häufigste Ursache) oder Blutungen in Betracht. Am häufigsten führt die Verkalkung (Arteriosklerose) zur Verengung von Arterien außerhalb und/oder innerhalb des Schädels. Ein Blutgerinnsel, das sich z. B. bei einer Herzrhythmusstörung gebildet hat, kann ein Hirngefäß völlig verschließen. Aber auch Tumore können ein Gefäß so zusammendrücken, dass der Blutfluss verhindert oder ganz unterbrochen wird. Bei jüngeren Menschen mit Symptomen eines Schlaganfalls kommt auch eine Gefäßdissektion (Einriss der Gefäßinnenwand) der hirnversorgenden Arterien in Betracht.

Eine Hirnblutung kann durch ein Zerreißen eines Hirngefäßes (z. B. bei angeborenen Hirngefäßmissbildungen wie einem Aneurysma oder bei sehr hohem Blutdruck) oder infolge eines Unfalls auftreten.

Bei einigen Schlaganfällen, insbesondere bei jüngeren Menschen, lässt sich keine genaue Ursache feststellen (sogenannter "Kryptogener Schlaganfall).

Ein Schlaganfall kann in jeder Altersgruppe auftreten; so sind Fälle beschrieben worden, wo das ungeborene Kind im Mutterleib einen Schlaganfall erlitten hat.


Die meisten Hirnareale werden von verschiedenen Arterien mit sauerstoffreichem Blut versorgt. Es gibt aber auch Hirnareale, die nur von einer Arterie versorgt werden (sogenannte "letzte Wiesen"). Dieser Begriff stammt aus der Landwirtschaft: Die Felder, die am weitesten entfernt vom letzten Wasserkanal liegen, trocknen bei Wasserknappheit als erste Gebiete aus. Im übertragenen Sinne bedeutet dies, dass das Hirngewebe im "Endstromgebiet" der Arteria cerebri media bei einer Durchblutungsstörung am schnellsten zugrunde geht. Es tritt dann das typische Bild der Halbseitenlähmung auf. Man spricht daher auch dann von einem Media-Infarkt.


Risikofaktoren

Manche Risikofaktoren für das Auftreten eines  Schlaganfalls sind vermeidbar (z. B. Übergewicht, Bewegungsmangel, Rauchen, Alkoholkonsum, dauerhafter Stress) oder mit Medikamenten gut in den Griff zu bekommen (z. B. Bluthochdruck, familiär bedingte Hpercholesterinämie). Andere Risikofaktoren wie z. B. Herzrhythmusstörungen oder angeborene Hirngefäßmissbildungen bedürfen einer detaillierten Diagnostik und speziellen Therapie.



Symptome

Die Symptome eines Schlaganfalls können sehr vielseitig und von unterschiedlicher Ausprägung sein. Denn jeder Schlaganfall ist anders. Die vielfältigen Symptome habe ich -etwas anders als sonst üblich- wie folgt eingeteilt:

  • Körperliche Symptome
  • Neuropsychologische Symptome in Abhängigkeit von der betroffenen Hirnhälfte
  • Neuropsychologische Smptome ohne eindeutigen Bezug zur betroffenen Hirnhälfte

 

Körperliche Symptome

Da die Hirnhälften überkreuz arbeiten, tritt z. B. eine Halbseitenlähmung rechts auf, wenn die linke Hirnhälfte betroffenen ist und umgekehrt. Diese Halbseitenlähmung kann komplett (Hemiplegie) oder inkomplett (Hemiparese) auftreten. Auch die Gesichtsmuskulatur kann betroffen sein ( (zentrale faciale Parese). Nach einiger Zeit kann sich die anfangs schlaffe Lähmung einer Körperhälfte in eine Spastik in Arm und/oder Bein umwandeln.

Störungen der Motorik können auch das Schlucken betreffen. Das Schlucken ist ein sehr komplexer Vorgang unter Beteilung verschiedenster Muskeln, der in der Regel weitgehend unbewusst abläuft. Eine Störung des Schluckens nennt man Dysphagie. Gerade in der Akutphase ist dies häufig zu beobachten, so dass eine Anpassung der Nahrungsform notwendig ist, um ein Verschlucken  zu vermeiden. Gelangt Nahrung in die Luftröhre (Aspiration), kann es gerade bei bettlägerigen Patienten zur Lungenentzündung (Pneumonie) kommen.

Besteht eine Schluckstörung über die Akutphase hinaus, ist eine gezielte Diagnostik und Beratung ratsam. Bei meiner Internetrecherche bin ich auf folgende Adressen in der Nähe von Bonn gestoßen:

https://www.gfo-kliniken-troisdorf.de/medizinisches-versorgungszentrum-am-st-johannes-krankenhaus/schluckambulanz.html
https://hno.uk-koeln.de/klinik/ambulante-behandlung/schlucksprechstunde/

 


Zusätzlich zur Störung der Motorik können auch Störungen der Sensibilität auftreten. Sind Oberflächen- und Tiefensensibilität gleichermaßen betroffen, können dreidimensionale Gegenstände nicht mehr allein durch Betasten erkannt werden (Stereoagnosie). Auch kann das Temperaturempfinden verändert sein.

Manche Betroffene leiden auch unter zentralen Sehstörungen (z. B. homonyme Hemianopsie: Um seine rechte gelähmte Körperseite sehen zu können, muss der Betroffene den Kopf nach rechts drehen).

Miktions- und/oder Defäkationsstörungen können in der Akutphase auftreten. Sehr selten bleibt z. B. eine Harninkontinenz dauernd bestehen.



Symptome in Abhängigkeit von der betroffenen Hirnhälfte

Für die Art der Symptome ist auch von Bedeutung, welche Hirnhälfte betroffen ist. Gerade viele neuropsychologische Symptome sind seitenabhängig. Der Einfachheit halber gehe ich von Rechtshändern aus, bei denen es sich bei der dominanten Hirnhälfte um die linke Gehirnhälfte handelt.


Schädigung der dominanten Hirnhälfte

Schädigung der nicht-dominanten Hirnhälfte

Symptome ohne eindeu-tigen Bezug zu einer Hirnhälfte

Aphasie

Alexie/ Agraphie/ Akalkulie bei Aphasie

Apraxien


Autotop-Agnosie
(Körperbild-Agnosie)

Raumanalysestörung

Alexie/ Agraphie/ Akalkulie bei Raumanalysestörung


Neglect und Anosognosie

Lern- und     Gedächtnisstörungen


Verlangsamung der Denkprozesse


Störungen der Aufmerksamkeit und Konzentration


Störungen der Handlungsplanung


psychische Symptome (Depression, Affektlabilität, verminderter oder gesteigerter Antrieb, gesteigerte Aggressivität)


Aphasie

Aphasie heißt wörtlich übersetzt "ohne Sprache". Unter Aphasie versteht man eine zentrale Sprachstörung, die nach Erwerb der Sprache auftritt und alle Bereiche der Sprache betreffen kann. Je nach betroffener Hirnregion unterscheidet man verschiedene Aphasien (motorische, sensible, amnestische, globale Aphasie), auf die ich hier aber nicht genauer eingehen werde.

Die wichtigsten Aspekte habe ich wie folgt zusammengefasst; sie können hier heruntergeladen werden (Quelle: Info-Material Bundesverband für die Rehabilitation der Aphasiker e. V. BRA):


Aphasie – Was ist das?
Aphasie ist eine erworbene Sprachstörung.
Häufigste Ursache ist der Schlaganfall. Andere mögliche Ursachen sind Schädel-Hirn-Verletzungen (z. B. nach einem Unfall), Hirntumore oder entzündliche Prozesse im Gehirn.
Begleitsymptome können sein:
Störungen des Rechnens
Halbseitenlähmung (Hemiplegie)
Gesichtsfeldeinschränkung (Hemianopsie)
Störungen der Körperwahrnehmung
Störungen von Bewegungs- und Handlungsabläufen (Apraxie)
Schluck- und Sprechstörungen
Merkfähigkeits- und Konzentrationsstörungen
Störungen des Antriebs
Gefühlsschwankungen, Depressionen,  Ängste
Krampfanfälle

Aphasie – Was bedeutet das?
Aphasie bedeutet Verlust der Sprache, der aber nicht unbedingt total sein muss.
Aphasie kann alle oder nur einzelne Bereiche der Sprache in unterschiedlicher Schwere betreffen.
Aphasie kann die Sprachproduktion, das Sprachverständnis, das Lesen und das Schreiben betreffen.

Aphasie – Beispiele
Mühevolles Sprechen, Aneinanderreihung von Silben, Sätze im Telegrammstil, Suche nach Wörtern
Flüssige Sprache, aber Verwechslung von Lauten, Vertauschung von Wortbedeutungen (Denken erfolgt geordnet, Sprechen wirkt „durcheinander“)
Wahrnehmung des Klangs von Wörtern, ohne die Bedeutung zu erfassen
Verständnis für einzelne Wörter, ohne deren Zusammenhänge in Satz und Text zu verstehen
Verwechslung von Wortbedeutungen und Wortformen (z. B. „Ja“ anstatt „Nein“)
Buchstaben eines Wortes werden nur einzeln erfasst
Verwechslung von gelesenen Wörtern mit sinnverwandten Wörtern (z. B. wird „Jacke“ statt das geschriebene Wort „Mantel“ gelesen)

Aphasie und Kommunikation
Unter Kommunikation wird die Verständigung zwischen mindestens zwei Menschen mithilfe von Sprachen oder Zeichen verstanden; sie bildet die Basis des menschlichen Zusammenlebens.
Menschen mit Aphasie haben Schwierigkeiten, Gedanken und Gefühle auszudrücken; Einige verstehen nicht mehr, was andere ihnen mitteilen möchten. Genau so ergeht es aber auch den Angehörigen, sie sind daher „mitbetroffen“.


Über den Bundesverband für die Rehabilitation der Aphasiker e. V. BRA kann man zahlreiche Informationsbroschüren rund um das Thema Aphasie kostenlos beziehen; nach Erhalt sind lediglich die Versandkosten als Spende zu überweisen:

https://aphasiker.de/service/info-material/


Die Gruppe "Junge Aphasiker 18-28 NRW" hat bereits einige sehenswerte Videos gedreht:

https://www.youtube.com/results?search_query=Junge+Aphasiker+NRW+18-28+Jahre



Dysarthrie
Im Gegensatz zur Sprechapraxie (siehe unten)  sind bei einer Dysarthrie die Steuerung und Ausführung von Sprechbewegungen beinträchtigt. Die Symptome entsprechen denen der Sprechapraxie, jedoch tauchen hierbei keine variablen Fehlermuster oder Momente störungsfreier Produktion auf.


Alexie / Agraphie / Akalkulie

Die Fähigkeiten Lesen, Schreiben und Rechnen können ebenfalls nach einem Schlaganfall beeinträchtigt oder sogar zunächst völlig verlorengegangen sein. Diese Symptome können sowohl im Rahmen einer Aphasie als auch im Rahmen von Raumanalysestörungen auftreten. Die Unterscheidung spielt eine große Rolle für die Therapie.


Apraxie

Apraxie ist eine Störung in der sequentiellen Anordnung von Einzelbewegungen zu Bewegungsfolgen oder von Bewegungen zu Handlungsfolgen; die elementare Beweglichkeit ist dabei erhalten. So können gestische Ausdrucksbewegungen gestört sein (z. B. Jemandem zuwinken) oder der Betroffene zieht sich seine Kleidungsstücke in der verkehrten Reihenfolge an.

Bei einer Sprechapraxie sind Artikulation, Sprechmelodie und -rhythmus verändert aufgrund einer gestörten Planung von Sprechbewegungen. Charakteristisch sind variable Fehlermuster und Momente störungsfreier Produktion.


Autotop-Agnosie (Körperbild-Agnosie)

Unter dieser Sonderform der Agnosie versteht man den Verlust des Gefühls für den eigenen Körper. Es werden dann z. B. nicht mehr die Bedeutung der einzelnen Finger erkannt oder das Gefühl für rechts und links am eigenen Körper geht verloren (Störung der Rechts-Links-Orientierung).


Neglect und Anosognosie

Beim Neglect handelt es sich um Vernachlässigungsphänome im Bereich der visuellen, akustischen und sensomotorischen Exploration  sowie um Störungen der Repräsentation des externen Raumes und/oder des eigenen Körpers. Diese äußern sich z. B. darin, dass z. B. Gegenstände oder Personen auf einer Seite nicht beachtet  werden, keine Reaktion auf eine Ansprache von der vernachlässigten Seite her erfolgt, Berührungen der betroffenen Körperseite nicht wahrgenommen werden, bei Zeichnungen von Objekten die eine Hälfte weggelassen wird, die betroffene Körperseite bei der Körperpflege vergessen wird.

Bei einer Anosognosie werden körperliche Einschränkungen und/oder Erkrankungen nicht  wahrgenommen. Dies kann im Extremfall dazu führen, dass die körperliche Einschränkung auf eine andere Person verschoben wird ("Ich bin nicht gelähmt. Das ist die Hand meines Mannes.") oder ein Versuch unternommen wird zu gehen, obwohl die eine Körperhälfte komplett gelähmt ist.


Raumanalysestörung

Bei einer Raumanalysestörung sind Leistungen wie z. B. die Synthese von Einzelteilen zu einem sinnvollen Ganzen sowie das geometrische und räumliche Verständnis betroffen. So nimmt der Betroffene beim Blick auf die Uhr einen Kreis, mehrere kurze Striche, zwei lange Striche von unterschiedlicher Länge sowie Zahlen war, kann aber nicht die Uhrzeit ablesen. Beim Ankleiden hat der Betroffene große Schwierigkeiten, z. B. den Bezug zwischen dem, was am Hemd "oben" ist und dem, was bei ihm "oben" ist, herzustellen; er steigt dann unter Umständen mit den Füßen in das Hemd. Der Betroffene ist auch nicht in der Lage, z. B. einen Stadtplan zu lesen. Die Raumanalysestörung hat aber auch Auswirkungen auf das soziale Miteinander: Der Betroffene kann auch soziale Situationen nicht überschauen, da diese aus einem Beziehungsgefüge zwischen den einzelnen Personen bestehen; häufig verhält sich der Betroffene dann distanzlos.


Symptome ohne eindeutigen Bezug zu einer Hirnhälfte

Wenngleich auch eine Hirnhälfte dominant ist, werden Sinneseindrücke, Erfahrungen und Erlebnisse doch gleichermaßen in beiden Hirnhälften gespeichert. Einige Gehirnleistungen sind daher nicht fest in einer Gehirnregion lokalisiert, sondern werden erst durch ein Zusammenspiel verschiedener Hirnregionen möglich. Unabhängig vom Schädigungsort können folgende Symptome auftreten:

  • Lern- und Gedächtnisstörungen
  • Verlangsamung der Denkprozesse
  • Störungen der Aufmerksamkeit und Konzentration
  • Störungen der Handlungsplanung
  • psychische Symptome (Depression, Affektlabilität, verminderter oder gesteigerter Antrieb, gesteigerte Aggressivität)



Dauer der Symptome

Bei einer nur kurzzeitigen Durchblutungsstörung im Gehirn bilden sich die Symptome meist innerhalb weniger Minuten vollständig zurück. Diese TIA (transitorische ischämische Attacke) ist aber ein ernstzunehmendes Warnzeichen und sollte unbedingt notfallmäßig abgeklärt werden. Eine TIA kann auch nach erfolgtem Schlaganfall auftreten und einem erneuten Schlaganfall vorausgehen.

Nach einem "richtigen" Schlaganfall bleiben die Symptome länger bestehen. In der Akutphase (direkt und in den ersten Tagen nach dem Schlaganfall) sind die Symptome meist sehr ausgeprägt; Ursache ist ein Anschwellen des Gehirns (Gehirnödem). Nach Abschwellen des Hirnödems verringert sich in der Regel die Ausprägung der Symptomatik. Die Dauer der Symptome ist genau so individuell wie die Anzahl und Ausprägung der Symptome. Liegt eine Hirnblutung als Ursache des Schlaganfalls vor, sind die Symptome meist schwerer und halten länger an.

In den ersten Wochen nach dem Schlaganfall finden meist die auffälligsten Veränderungen der Symptome statt. Eine zu Beginn schlaffe Halbseitenlähmung, ob teilweise vor allem Gesicht und Arm (brachiofaciale Hemiparese) oder die gesamte Körperhälfte betreffend (Hemiplegie), kann sich zu einer spastischen Lähmung entwickeln: An Arm und Hand haben dann die Muskeln, die für Beugung und Faustschluss zuständig sind, eine erhöhte Muskelspannung; an Bein und Fuß sind es die Streckermuskeln mit erhöhter Muskelspannung, so dass möglicherweise die Fußspitze nicht mehr richtig angehoben werden kann. Symptome könnten sich in den ersten Wochen und Tagen wahrscheinlich auch spontan in gewissem Maße zurückbilden. Darauf zu hoffen und in den ersten Wochen nichts zu tun wäre allerdings fatal! Früh einsetzende Therapien (vor allem Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie) -am besten schon in den ersten 24 Stunden nach dem Schlaganfall- sind von immenser Wichtigkeit.

"Neuronale Plastizität" ist hier das Stichwort: Zwar können sich einmal zugrunde gegangene Nervenzellen nicht wieder regenierieren, aber es können sich neue Verbindungen zwischen den Nervenzellen, sogenannte Synapsen, bilden. So können andere Hirnareale die Aufgaben der geschädigten Bereiche zumindest teilweise übernehmen.

Mit anderen Worten: Auch Jahre nach dem Schlaganfall kann es noch Fortschritte geben!!!



Links zum Thema Schlaganfall


NeuroVask Bonn/Rheinland

Da je nach Ursache des Schlaganfalls und Alter des Betroffenen ein gewisses Wiederholungsrisiko besteht, möchte ich an dieser Stelle auf das NEUROVASK  Bonn/Rheinland hinweisen, das seit 2017 besteht. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss von inzwischen 15 Krankenhäusern aus der Bonner Region, die gemeinsam die Kriterien der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft, der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie und der Deutschen Gesellschaft für Neuroradiologie erfüllen. Ziel ist die schnellstmögliche optimale Versorgung auf einer zertifizierten Stroke Unit im jeweils nächstgelegenen Krankenhaus. Welche Kliniken sich NeuroVask angeschlossen haben, erfährt man auf der Internetseite des Universitätsklinikums Bonn (UKB):

https://www.ukbnewsroom.de/universitaetsklinikum-bonn-und-partnerkliniken



Die Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe hat im Novemer 2020 eine sehr anschauliche Patientenbroschüre zum Thema Schlaganfall veröffentlicht, an deren Ende ein Überblick über weitere interessante Informationsbroschüren zu finden ist:

https://www.schlaganfall-hilfe.de/fileadmin/files/SDSH/Medien-_und_Warenkorb/broschuere_schlaganfall_basiswissen.pdf



Seit 1995 koordiniert die AWMF (Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlicher medizinischen Fachgesellschaften) auf Anregung des "Sachverständigenrats für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen" die Entwicklung von Leitlinien für Diagnostik und Therapie durch die einzelnen Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften.

Im März 2021 hat die AWMF eine überarbeitete Leitlinie "Schlaganfall" der DEGAM (Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin) herausgegeben.

https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/053-011l_S3_Schlaganfall_2021-03.pdf


Die DEGAM hat zu dieser Leitlinie zusätzlich eine kurze Patienteninformation erstellt:

https://www.degam.de/files/Inhalte/Leitlinien-Inhalte/Dokumente/DEGAM-S3-Leitlinien/053-011_Schlaganfall


Auch der Bundesverband Aphasie hat zu dieser neuen Leitlinie eine Informationsbroschüre verfasst, die kostenlos bestellt werden kann:

https://aphasiker.de/service/info-material



Bei meiner Internetrecherche zumThema Schlaganfall bin ich auch auf zwei sehr interessante online-Ratgeber vom Team des Neuropsychologischen Therapie-Centrums an der Ruhr-Universität Bochum gestoßen:

https://www.ratgeber-neuropsychologie.de
https://www.dein-gehirn.com


 

Die ZNS Hannelore Kohl Stiftung hat vor einigen Jahren einen Ratgeber herausgebracht, in dem sehr verständlich und anhand vieler Beispiele neuropsychologische Beinträchtigungen nach einem Schädelhirntrauma erklärt werden:

https://www.hannelore-kohl-stiftung.de/uploads/tx_ttproducts/datasheet/3-Neuropsychologische_Beeintraechtigungen

 

Auf der Internetseite schlaganfallbegleitung.de werden Informationen zum Thema Schlaganfall bereitgestellt, die von spezialisierten Ärzten geprüft wurden:

https://schlaganfallbegleitung.de/